Maik Metzdorf sitzt auf einem Sessel und schaut Sie an

Sind Sie schon im Sommerurlaub? Oder freuen Sie sich auf die bevorstehenden Ferien? Ab in den Flieger und nichts wie weg! Der Routine entfliehen, die Auszeit genießen! Urlaube sind Zeiten, in denen ich meine Lebensumstände für einige Tage oder Wochen verändere. Befreit von den Pflichten des Alltags, endlich so leben, wie ich es möchte.

Wobei, das Wort „Pflichten“ kommt so selbstverständlich daher. Aber was genau verbirgt sich dahinter? Welche von den vielen Aufgaben, deren Erledigung wir für unsere Pflicht halten, sind wirklich unabdingbar? Selbst wenn wir „unabdingbar“ großzügig auslegen, also nicht nur die Aktivitäten darunter fassen, die für unsere wirtschaftliche Existenzsicherung zwingend sind, bleiben viele Themen über, die sich zwar als Pflichten tarnen, bei denen es sich aber bei genauerem Hinschauen eigentlich nur um die Bedienung von Ansprüchen handelt. Ansprüche? Was ist an denen denn schlimm? Sind das nicht nachvollziehbare Erwartungen meiner Mitmenschen an mich? Wenn ich diesen Erwartungen nachkomme, bin ich doch ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft. Und schließlich habe ich auch – natürlich berechtigte – Erwartungen an mich selbst: ich bin (oder will es wenigstens sein) leistungsfähig, perfekt, belastbar, engagiert, hilfsbereit, mitfühlend, oder was immer Ihnen da einfällt.

Die Art und Weise, wie wir diese Ansprüche selbst innerlich erleben und mit unserem Verhalten äußerlich auf sie reagieren, sind häufig geprägt von über lange Zeit eingeübten Mustern. Sie helfen uns, in der Regel routiniert den Anforderungen und Anfragen des Alltags begegnen. Wir arbeiten stundenlang und zuverlässig und erfüllen so die Leistungserwartungen der Firma. Die Wohnung sieht immer picobello aus, damit bedienen wir unsere eigenen Ansprüche nach Perfektion und Kontrolle. Wir funktionieren. Tag aus, Tag ein. Und haben uns in unseren „inneren Lebensumstände“ gut eingerichtet. Das geht meist so lange gut, wie die äußeren Lebensumstände recht stabil sind. Steigt der Leistungsdruck in der Firma aber immer weiter, oder spüren wir, dass die eigene Leistungsfähigkeit mit zunehmenden Alter nachlässt, oder gibt uns unsere Umgebung zu verstehen, dass wir ihr mit unserem ständigen Perfektionismus inzwischen auf die Nerven gehen, beginnt es wackelig zu werden.

Allerdings fällt es vielen Menschen schwer, dann die bisherigen Muster zu hinterfragen. Stattdessen versuchen sie es mit „Mehr vom Gleichen.“ Auf die ohnehin schon (zu) vielen Arbeitsstunden werden halt noch ein paar weitere draufgepackt. Wird schon gehen. Muss ja. Das Leben ist kein Ponyhof. Es hat noch immer funktioniert. Aber irgendwann funktioniert es eben nicht mehr. Die Seele meldet sich. Schlafstörungen, Grübeln, Nervosität, oder auch körperliche Symptome signalisieren uns, dass es so wie bisher nicht mehr weitergeht.

Wie eingangs erwähnt, bedeuten auch Urlaube eine – zumindest temporäre – Veränderung der äußeren Lebensumstände, wenngleich selbst veranlasst. Solche Zeiten, in denen wir zur Ruhe kommen, können eine gute Gelegenheit bieten, unsere inneren Lebensumstände einmal genauer zu betrachten. Vielleicht nutze ich die Sommerferien, um darüber nachzudenken und dem nachzuspüren, was in all dem täglichen Trubel zu kurz kommt, wofür (zu) viel Energie aufgebracht werden muss. Was ist eigentlich wirklich wichtig, was will ich? Wo bediene ich nur Ansprüche, die andere an mich stellen oder die ich an mich selbst habe? Was wäre, wenn ich mir erlaube, manche dieser Ansprüche nicht mehr zu bedienen? Wieviel neue Freiheit kann das bedeuten? Welche Reaktionen der Anderen befürchte ich? Welche Konsequenzen könnten eintreten? Lösen diese Vorstellungen vielleicht sogar Ängste in mir aus?

Coaching kann helfen, den inneren Mustern auf die Spur zu kommen, die bisher verhindert haben, dass ich mir diese Fragen erlaube.

Der Sommerurlaub kann so der Beginn einer seelischen, „archäologischen“ Expedition werden. Schicht für Schicht die vielen Lagen aus fremden und eigenen Erwartungen, aus Ansprüchen und Anforderungen freilegen, entstauben, abtragen und mich auf die Suche machen nach dem, was ich bin, und nicht was ich glaube, sein zu wollen (und machen zu müssen).

Doch wie in der Archäologie ist es nicht alleine damit getan, sich von den Ansprüchen, die meine eigentlichen Bedürfnisse verdecken, zu befreien. Soll die Veränderung dauerhaft sein, braucht es eine Art „Konservierung“ für die freigelegten eigenen Wünsche, damit wir nicht bei der ersten Anforderung von außen wieder in die vertrauten und doch selbst-schädigenden Muster zurückfallen.

Die Urlaubszeit kann der Anstoß zur Veränderung sein. Coaching kann helfen, dass daraus nachhaltige Entwicklung wird.